10. bis 13. April
Ostern mit Schockoeiern im Pool
Schon zum zweiten Mal feier ich nun Ostern in Australien und schon zum zweiten Mal ist es nicht „richtig“ Ostern.
Im Gegensatz zu vor vier Jahren, war mir allerdings verwangenen Freitag immerhin bewusst, dass Karfreitag war, was jedoch den Tag in keiner Weise änderte: Gemma war mit ihren Eltern zu einem Kindergeburtstag eingeladen während ich auf die beiden Jungs aufpasste und abends ist meine Gastfamilie wie öfters freitags zum Pferderennen, zu dem ich auch dieses mal nicht mitgegangen bin (was soll ich auch da?). Nun, einen Unterschied gibt es zu sonstigen Freitagen doch: die anderen Aupairs waren alle mit ihren Familien weggefahren oder gemeinsam verreist, bei uns war beides unmöglich war, da Yvonne ja montags -egal ob Feiertag oder nicht- arbeitet und so gab es für mich einen ruhigen DVD-Abend.
Am Samstag wurde morgens der freie Tag genutzt, um die hintere Fassade des Hauses neu anzustreichen, mittags habe ich auf die Kinder aufgepasst, während meine Gasteltern den Wocheneinkauf machten. In der Zeit wollte ich mit Alex und Gemma Ostereier färben, doch mir wurde ziemlich undiplomatisch mitgeteilt, dass echte Eier „yucky“ und Schockoeier die einzig wahren Ostereier sind. Damit war das Thema dann auch erledigt und wir sind gemeinsam in den Pool gesprungen.
Gestern, am Ostersonntag, ist dann endlich ein bisschen Ostern aufgeblitzt. Zwar habe ich Ostern noch nie abwechselnd im Pool und unglaublich schwitztend im Garten verbracht und wir waren auch nicht in der Kirche oder haben von sonst irgendwoher hören können warum Ostern gefeiert wird, aber es waren viele Verwandte gekommen (Yvonnes Schwester mit Mann und Kindern, James Bruder und James Cousine mit Mann und Kindern), es gab ein köstliches Mahl (Hühnchen in Limette mit Kürbis), Nachtisch (eine zweistöckige Schockotorte, die ich morgens mit Gemma zusammen gezaubert habe) und eine (Schocko-)Eiersuche, auch wenn diese als Schatzsuche mit diversen Hinweiszetteln abgehalten wurde. Dennoch wars alles in allem ein sehr schöner „Familientag“.
Heute, Ostermontag, musste Yvonne wie bereits erwähnt arbeiten und ich bin mit James und den Kindern nach Fremantle zum Streets Art Festival. Es waren dort sämtliche Straßen in der Innenstadt abgesperrt damit viele Straßenkünstler ihre Pantomime, Jonglierkünste, und ähnliches vorführen konnten, was bestimmt echt schön gewesen wäre, hätte es nicht wie aus Kübeln geregnet.
Ostern war also schon an Ostern vorbei.
24. März
Mein neuer Nebenjob
Heute habe ich meinen Nebenjob angetreten: Ich hole ab jetzt immer dienstags drei Jungs aus der Nachbarschaft von der Schule ab und betreue sie noch für drei Stunden bei ihnen daheim bis ihre Mutter von der Arbeit kommt.
Liddy, die Mutter, hatte Yvonne angesprochen, da die Zwillinge Hamish und Toby in Alex Klasse und der kleine Rory in Gemmas Klasse gehen und da ich mich auch weiterhin, dank Ganztagsschule, mit Francy, einem anderen Aupair, zu unserem alldienstäglichen gemeinsamen Date mit einer Eisschockolade in Claremont treffen kann, habe ich kurzerhand zugesagt.
Die Jungs waren zwar nicht ganz so leicht zu händeln wie meine wohlerzogenen Gastkinder, zudem sehen die eineiigen Zwillinge Hamish und Toby völlig identisch aus und es lebt ein Hund im Haus, was die Angelegenheit noch etwas erschwert, aber dennoch lief unser erster Tag zur allgemeinen Zufriedenheit ab (nachdem wir den Hund in den Innenhof (jawohl, sowas gibt’s bei denen) gesperrt hatten
).
21. März
Rottnest Island
Endlich endlich hat es geklappt, ich war auf Rottnest Island!
Versuch 1 war daran gescheitert, dass das Boot meiner Gastfamilie kaputt war, die Versuche 2 bis eine Million sind gescheitert, da alle Aupairs zusammen von Samstag bis Sonntag hinwollten, aber immer irgendjemand doch nicht konnte. Also sind nun „nur“ Michaela, Mareike, ich, unsere Fahrräder und unsere Schnochelausrüstungen für einen Tag auf nach „Rotto“, denn für die beiden ist schon bald ihre Zeit in Perth vorbei und der Herbst hält so langsam aber sicher auch schon Einzug.
Nach einer halbstündigen Fährfahrt sind wir auf „Rotto“ angekommen und haben bei einer Eisschockolade erst einmal unsere Route besprochen. Im Uhrzeigesinn wollten wir also auf dem äußeren Radweg entlang der unzähligen Buchten radelnd die Insel umrunden, was uns bei der Größe Rottnests (11 km lang und 4,5 km breit) nicht allzuviel abverlangte, doch wir wollten uns nicht wie Touristen in einem Bus über die autofreie Insel chauffieren lassen.
Natürlich wurde unterwegs trotzdem das Touriprogramm abgearbeitet, das heißt wir haben einen Abstecher zum Leuchtturm gemacht und uns auf die Lauer gelegt um Quokkas zu erspähen. Das sind die kleinen hier endemischenen (wer im Biounterrischt aufgepasst hat, weiß was ich meine
)Tierchen, die der Insel ihren Namen gaben, als sie von holländischen Seefahrern versehentlich für Ratten gehalten wurden („Rattennest“ → Rottnest). In der Tat sehen sie für meine Begriffe auch aus wie eine Kreuzung zwischen Ratte und Känguru.
Ansonsten haben wir immer gehalten, wo es uns gerade gefallen hat, für Fotos, zum Schwimmen und Schnorcheln, für eine Keckspause oder einfach nur um den Blick auf Rottnest, die teilweise bizarren Felsformationen, das Meer oder eines der Schiffwracks zu genießen.
Es war ein unbeschreiblich toller Tag, Rottnest ist ein Traum und wunderschön, doch für mich leider nicht in Worte zu fassen. Daher hoffe ich, dass meine Bilder zumindest einen kleinen Eindruck geben können.
20. März
Ann-Kathrins Abschied
Jetzt ist es endgültig so weit: Ann-Kathrin fliegt am Sonntag heim 
Da ich morgen mit Michaela und Mareike auf Rottnest Island sein werde, musste ihr Abschied heute schon gebührend begangen werden.
So sind wir heute morgen erst einmal Shoppen, zum Friseur und in ein Café in Fremantle und heute Abend zum Italiener in Claremont, wo es die beste (leider auch teuerste) Pizza weit und breit gibt und von dessen Terasse aus man einen perfekten Blick auf die Bay View Terrace hat, eine Straße auf der freitagabends ein wahres Schaulaufen/-fahren stattfindet, das sich immer wieder lohnt zu beobachten. Das Highlight heute war ein protziger Lamborghinifahrer, der erst zwei Runden um den Block drehte, damit ihn auch wirklich jeder gesehen hat und dann immense Probleme beim einparken in den vordersten Parkplatz offenbarte. Aber beim vierten Anlauf hatte er es dann auch schon geschafft. Nun ja, er stand auf dem Bordstein...
Weiter gings dann ins Claremont Hotel. Dazu muss man wissen, dass „Hotel“ in Australien durchaus mehrere Bedeutungen hat. Neben einer Unterkunft handelt es sich meist um einen Pub im irischen Stil, es kann aber auch ein Restaurant und vieles mehr sein. Das Claremont Hotel ist ein zweistöckiger Pub, in dem Freitags unten eine Band spielt und oben alles zu einer Disco umgeräumt ist. Da Australier diese Hotels den Clubs vorziehen, war mal wieder mächtig was los und Ann-Kathrin hatte noch einmal einen schönen real-Aussie-Tag.
19. März
Australian Surf Life Saving Championship
Alle guten Dinge sind ... zwei. Nachdem wir nämlich am Dienstag bereits bei den Australien Surf Life Saving Championships 2009, kurz Aussies 09, in Scarborough waren und von strömendem Regen überrascht wurden, gab es heute Sonnenschein pur.
Die Aussies sind die jählichen australischen Meisterschaften der „Surf Life Saving“ Klubs Australiens, also eine Art DLRG-Meisterschaften, nur eben unter anderem mit Surfbrettern.
Eine Kurze Erklärung: Die Surf Life Saving Clubs überwachen in Australien die populären Strände (zum Großteil ehrenamtlich) und die Rettungen laufen in der Regel wie folgt ab: Der Rettungsschwimmer kniet sich auf ein überdimensionales Surfbrett und paddelt mit seinen Armen hinaus zur in Not geratenen Person, hievt diese aufs Brett, wartet dann auf die nächste Welle und surft zurück zum Strand.
Diese Woche geht es nun darum, in den diversen Disziplinen, die von Schwimmwettbewerben und Sprints auf Sand über Paddeln auf Surfbrettern und in Kajaks bis zum Ironman und vielem mehr reichen, so viele Medallien wie möglich für seinen Klub zu holen.Für uns war es einfach Spaß pur, dem bunten Treiben beizuwohnen, sportliche Höchstleistungen zu sehen und die vielen durchtrainierten Körper zu bestaunen 
Natürlich war auch Sydneys Bondi Surf Life Saving Club am Start, dem der geneigte australische Fernsehzuschauer auch jeden Dienstag um acht in der eigenen Doku-Soap bei der Arbeit zusehen darf. Dieser Quotenhit nennt sich übrigens „Bondi Rescue“ und ich bin gespannt, ab wann das auch in Deutschland ausgestrahlt wird.
7./8. März
Relax-Wochenende
Ein entspanntes Wochenende ging leider viel zu schnell zu Ende...
Gestern morgen habe ich Ann-Kathrin in Fremantle getroffen und da sie erst vor zwei Tagen nach ihrer sechswöchigen Reise durch Australien wieder zurückgekommen ist, hatten wir uns natürlich eine Menge zu erzählen. Ann-Kathrin war mit meiner Vorgängerin Anne befreundet und Anne wiederum hat mir Ann-Kathrins Nummer dagelassen als sie abgereist ist. Somit habe ich in meinen ersten drei Wochen viel mit Ann-Kathrin unternommen, sie hat mir hier auch alles gezeigt und mir viele Tipps gegeben, dann ist sie mit ihrer Mutter gereist und nun, oh Freude, wurde sie von ihrer Aupairfamilie gebeten, noch für weitere zwei Wochen zu bleiben, um das neue Aupair zu unterstützen.
Abends war ich mit einigen anderen Aupairs im Moonlight Cinema. Das ist ein Open-Air Kino mitten im Kingspark, wo jeder seine Picknickdecke mitbringt, man gemütlich zusammensitzt (und isst) bis die Sonne untergeht und dann einen Film schaut. Leider wurde es gegen Ende etwas kalt, es wird hier eben langsam Herbst (aber das merkt man eigentlich nur nachts, tagsüber ist es immer noch viel zu heiß).
Heute bin ich mit Ann-Kathrin zu Hillarys Boat Harbour gefahren. Das ist (hauptsächlich) ein Jachthafen im nördlichen Vorort Hillarys, der einen großen Holzsteg mitten durch den Hafen besitzt, auf dem sich viele schöne Restaurants und Cafés befinden, an Land gibt es rings herum verschiedene Attraktionen wie Wasserrutschen,Trampolins und einen Hochseilgarten, aber das Beste ist eindeutig, dass es im Hafenbecken einen wunderschönen Strand gibt, der, so schön die ganzen Strände hier in Perth auch sind, den Vorteil hat, dass es keine Wellen gibt und man ewig weit hineinlaufen kann.
Also haben wir einen schönen relaxten Tag am Strand verbracht und sind nur aufgestanden, um uns im Meer abzukühlen, ein Eis zu essen, Smoothies zu trinken und später noch ein sehr sehr leckeres Wokgericht zu essen.
Und morgen ist schon wieder Montag...
28. Februar
Adventure World oder besser „Aua World“?
Adventure World ist ein Freizeitpark, der es leider von der Größe her nicht einmal mit Trippsdrill aufnehmen kann, dafür gibt es dort aber so viele richtig gute Wasserrutschen, dass sich der Ausflug dorthin heute wirklich gelohnt hat. Sechs Aupairs vernügten sich also wie kleine Kinder, hatten eine Menge Spaß und später auch kleinere Wehwehchen. So war ich zu klein für eine Lupingachterbahn und schlug die ganze Zeit gegen Sitz und Sicherheitsbügel, Theresa flog auf einer Rutsche von ihrem Schwimmreifen und schlug sich den Ellbogen auf, beim nächsten mal dann auch noch den anderen, Sandra schlug sich das Ohr an, … ich könnte noch ewig weitermachen.
Zum Wundenlecken gings dann anschließend noch nach City Beach an den Stand zum BBQ, wobei auch das nicht ganz unfallfrei ablief: Manch einer purzelte beim Gruppenfoto vom Baum, mich eingeschlossen. Naja, das kommt eben von den ganzen Extravaganzen...
25. Februar
Mein erster Regen in Perth
Als ich heute morgen aufgewacht bin war es kalt, ein Blick aufs Thermomter verriet, es sind 24°C und außerdem war es bewölkt. Aber trotzdem schnell durchs kalte Bad und runter zum Frühstück und da passierte es: Ich sitze gemütlich in der Küche, schaue geistesabwesend zum Pool und platsch, landete ein dicker Regentropfen darin. Und platsch, noch einer und dann war es bereits ein Platzregen. Der kleine Ben war so begeistert vom Regen, schließlich war es der erste seit Anfang Dezember, dass wir zusammen eine Ewigkeit am Fenster saßen und auf den Pool gesarrt haben. Nun ja, bis Yvonne kam und mir all meine Illusionen raubte: Sie blickte aus dem Fester und sagte: „Ja, jetzt ist der Sommer auch schon wieder vorbei.“ NEIIIIIN, das will ich wirklich nicht hören. Also hab ich schnell nach dem Wetter für die nächsten Tage gegoogelt und konnte aufatmen. Morgen sollen es schon wieder 32°C werden. Puh. Aber heute hat es erst einmal bis halb sechs geregnet und die Sonne bekamen wir dann auch nur kurz zu sehen.
21. Februar
Rottnest Channal Swim
Der Rottnest Channal Swim ist ein jählicher Schwimmwettbewerb vom Cottesloer Strand übers offene Meer bis Rottnest Island, eine traumhafte Insel vor Perth. Die Distanz beträgt 19,5 km und kann wahlweise als Solo, Duo, oder als Team mit vier Schwimmern geschwommen werden. Damit ist der „Rotto Swim“, wie er hier typisch australisch abgekürz wird, einer der längsten Schwimmwettbewerbe auf dem offenen Meer der Welt. Und wer schwimmt da natürlich mit? Richtig, meine super sportliche Gastfamilie!
Nachdem meine Gastmutter Yvonne im letzten Jahr im Team teilgenommen hat, war in diesem Jahr mein Gastvater James an der Reihe und es galt die 7 Stunden und 47 Minuten seiner Frau zu unterbieten. Yvonne konnte natürlich nicht einfach nur zuschauen, nein, sie ist die ganze Strecke im Kayak gepaddelt.
Man muss sich das so vorstellen: Beim Startschuss rennen die Schwimmer zum Wasser und schwimmen etwa 300 Meter. Dort warten die Kayaks, die die Schwimmer nach Rottnest eskortieren. Der Schwimmer muss sich also immer an seinem Kayak orientieren und hinterherschwimmen. Etwa nach 600 Metern wartet dann das Motorboot auf seinen Schwimmer, das dann die ganze Strecke über neben dem Kayak herfährt. Wird im Team oder als Duo geschwommen, befinden sich die restlichen Schwimmer im Boot und es wird je nach Anspruch gewechselt. So gibt es zum Beispiel „Sprintteams“, bei denen ein Schwimmer immer nur ein bis zwei Minuten schwimmt und damit dann auch flott gewechselt werden kann, gehen die Teammitglieder schon gar nicht mehr zurück aufs Boot, sondern legen sich auf Surfbretter, die vom Boot gezogen werden. Solche Teams bleiben dann auch meist unter fünfeinhalb Stunden, sind aber die seltenere Variante und oft Profis. Für James und sein Team war das Ziel dagegen „Ankommen“, was ihnen auch in weniger als acht Stunden gelungen ist. Dabei ist jeder Schwimmer etwa zehn Minuten geschwommen und danach für eine halbe Stunde wieder ins Boot geklettert.
Wie man unschwer erkennen kann, ist der Rotto Swim also wirklich ein Spektakel und Aufwand, leider aber wegen den hohen Startgebühren von einigen hundert Dollar und der Tatsache, dass man ein Boot und ein Kayak braucht, sehr für Werbezwecke missbraucht.
Für nächstes Jahr planen meine Gasteltern übrigens ein gemeinsames Duo zu schwimmen.
Kurz bevor ich zum alle zwei Wochen stattfindenden samstäglichen Aupair-BBQ im Kingspark aufgebrochen bin, klingelte es an der Haustür und es standen zwei Polizisten davor. Als sie mich dann auch noch nach meinem Gastvater fragten, ob ich ihn kenne, hatte ich echt ein mulmiges Gefühl, hatte ich mich doch vor dem Start noch mit seiner Mutter unterhalten, die den ganzen Rotto Swim so gefählich fand. Es stellte sich aber heraus, dass James lediglich sein Auto heute morgen vor lauter Aufregung nicht abgeschlossen und auch noch die Schlüssel darin liegen lassen hat. Die Polizei brachte mir also die Schlüssel, nahm meine Daten auf und ich fand glücklicherweise heraus, dass Yvonne den Zweitschlüssel dabei hatte. Die Heimfahrt war also gerettet.
Weniger gerettet war dagegen der Teil des Abends nach dem BBQ. Leider scheinen manche immer noch nicht zu wissen, dass man in die Clubs von Northbridge nicht mit Flip-Flops, Turnschuhen und ohne Reisepass reinkommt! Also gings nur in eine Cocktailbar. Dabei macht Weggehen hier so viel Spaß. Da hier überhaupt kein Club Eintritt verlangt und alle Clubs in der gleichen Straße sind, geht man einfach rein und wider raus, sobald es einem nicht mehr gefällt. Und am nächsten Morgen wacht man mit dem ganzen Arm voller Stempel auf...
15. Februar
Landleben
Wo ist man, wenn man ein Fernglas braucht, um den nächsten Nachbarn zu sehen? Mindestens 100 km außerhalb einer australischen Metropole und die Chancen stehen sehr gut, dass es sich dabei um eine Farm handelt.
Ja, ich war heute nach fast vier Jahren endlich mal wieder im „richtigen“ Australien – auf dem Land, zu Besuch bei Steffi, einem anderen Aupair, die das große Glück hat, dort zu leben, wo Australien noch Australien ist.
OK, das hätte ich ja auch haben können, da ich im Schüleraustausch damals aber bereits das Landleben kennengelernt habe, selbst auf einem Dorf aufgewachsen bin und gerade erst von Ghana komme, habe ich mich fürs Stadtleben entscheiden. Jetzt wohne ich in der Vorstadt, idyllisch am Fluss, unweit vom Meer, bin schnell in der Stadt und kann dort auch immer andere Aupairs treffen. Steffi dagegen braucht ein Auto, das sie aber von ihrer Familie gestellt bekam, um in die nächste „Stadt“, die es von der Größe her gut mit Bönnighein aufnehmen kann, 15 Minuten zu fahren. Aber ansonsten unterscheidet sich nichts von meinem Aupairdasein. Ich fahre nach Perth, um mich in einem Café mit anderen zu treffen, sie fährt nach Pinjarra, wo es natürlich auch Cafés und andere Aupairs gibt. Sie bringt die Kinder mit dem Auto zur Schule, ich laufe und auch hier benötigen wir die gleiche Zeit. Sie hat keine Nachbarn, weil alles dort sehr weitläufig ist und jeder große Weideflächen besitzt, aber ich habe eigentlich auch keine Nachbarn, weil sich hier alle hinter ihren hohen Zäunen in ihren Anwesen verstecken und höchstens abends mal ganz spießig ihre Pflanzen wässern. Ehrlich, ich habe bisher wirklich erst eine Nachbarin gesehen.
Aber zurück zu meinem Ausflug. Steffi hat mich in Mandurah vom Bahnhof abgeholt und nach einem kleinen Stadtbummel und einer „German Bratwurst“ zur Stärkung, sind wir zur Farm aufgebrochen. Rechts und links nichts als trockenes Farmland, eine kerzengerade Straße, die ins unendliche zu führen scheint und kein anderes Auto außer unserem weit und breit. Oh, wie habe ich das vermisst !!!
Dort angekommen, hat mir Steffi eine Privatführung durch Haus und Hof gegeben, wir sind über die Weiden zu den Pferden und Rindern gestapft, haben ein (Schoko-)Picknick bei den Windmühlen gemacht und viel zu schnell war es für mich wieder Zeit nach Perth aufzubrechen.
Es war ein richtig schöner Tag, an dem ich mich oft gefragt habe, ob ich mich lieber doch für die Familie nahe Byron Bay, die auch auf einer Farm lebt, hätte entscheiden sollen, aber als ich zu Hause zur Tür hereinkam, hat mich meine Gastfamilie heute Abend wieder so herzlich empfangen, ich sollte mich sogar noch zu einer Tasse Tee zu ihnen setzen und von meinem Tag erzählen.
Was will ich mehr?
13. Februar
Es gruselt
Auf dem Weg zur Fremantle Prison Torchlight Tour meinte Mareike plötzlich: „Oh nein, heute ist ja Freitag, der 13te!“
Aber da war es schon zu spät, die Tour war gebucht und so sind wir nachts mit nur einer Taschenlampe in der Hand durchs ehemalige Gefängnis von Fremantle gestapft, denn eine normale Führung fanden wir ja viel zu langweilig.
Das Gefängnis wurde 1850 von britischen Strafgefangenen erbaut und war bis 1991 (!) in Betrieb. Bis dahin wurde das Gebäude so gut wie nicht modernisiert! Wenn man das nicht selbst gesehen hat, kann man sich das echt nicht vorstellen, aber zum Beispiel hatten die Zellen keine Toiletten oder fließendes Wasser, und ich hatte immer den Eindruck eher in einer alten Ritterburg zu sein, deutsche Gefängnisse sind dagegen das Hilton. Ganz zu schweigen davon, dass natürlich auch die Sicherheitsstandarts nur mäßig modernisert wurden und hier saßen immerhin alle Serienkiller Westaustraliens ein...
Ein Teil des ehemaligen Gefängnispersonals arbeitet heute als Führer im Gefängnis, so auch unsere Führerin Amanda, die es wirklich verstand uns duch ihre Witze völlig zu entspannen, um dann geheime Zeichen an „Geister“ und andere Gestalten zu geben, die uns so erschreckten, dass einem wirklich das Herz in die Hose rutschte: Sie erklärt uns das Suizidnetz, macht noch ein paar Witze wie: „Das Netzt ist schon ganz praktisch, Selbstmorde waren immer so viel Papierkram...“, winkt uns zum Weitergehn und plötzlich fällt über uns eine lebensgroße Puppe ins Netz und so etwas immer wieder. Am schlimmsten war es aber, wenn sie sagte, wir sollen schon mal vorausgehen, denn man sah wirklich nur, was man mit seiner Taschenlampe anleuchtete, man wusste nicht, ob schon wieder die nächste Überraschung lauerte, aber vor allem bestand die große Gefahr, aus Versehen eine Tür zu schließen, die dann eben nicht wieder aufgeht, man ist ja schließlich in einem Gefängnis, dazu noch in einem sehr alten mit verdammt dicken Mauern und da funktioniert eben auch kein Handy mehr.
Aber natürlich sind wir zwei Sunden später wieder quitschlebendig unter Fremantles Sternenhimmel gestanden, der Puls hatte dich wieder beruhigt und wir sind noch auf einen Absacker zum Hafen. Das Datum hat uns also kein Unglück gebracht, aber der 13. März ist ja auch schon wieder ein Freitag...
11. Februar
Jetzt weiß ich auch was „wechselwarm“ bedeutet
„Als wechselwarm oder auch poikilotherm bezeichnet man Tiere, die keine konstante Körpertempereatur aufweisen.[...] Die Körpertemperatur entspricht nahezu der Temperatur der Umgebung...“ (frei nach Wikipedia)
Was vor allem den letzten Satz angeht, so kann ich euch sagen: bleibt in Deutschland !!! Es macht nämlich wirklich keinen Spaß, wenn sowohl äußere als auch innere Temperatur 40°C betragen, ganz im Gegenteil, es macht einen wahnsinnig.
Genug der wirren Sätze. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass es die Kinder letztendlich doch geschafft haben, mich mit einer fiesen Erkältung inklusive Fieber anzustecken und ich deshalb die letzten beiden Tage bei besagten Außentemperaturen im Bett verbracht habe, aber ich befinde mich schon wieder auf dem Weg der Besserung.
8. Februar
Gemma's Birthday Vol. 1
Lange hat sie diesem Tag entgegengefiebert und so oft gefragt, wie oft sie noch schlafen muss und heute ist es endlich so weit, meine little pink princess Gemma wird fünf. Happy Birthday !!!
Nachdem dann auch alle mit samt Schlüssel eingetroffen waren und eine wohltuende Dusche später, habe ich auf die Kinder aufgepasst, während die Eltern durchs Haus gewuselt sind und alles für Gemmas Geburtstagsfeier unten am Fluss zusammengepackt haben. Omas, Opas, Gemmas Cousine Elli und ihr Bruder Josh sind gekommen, sowie viele Freunde der Familie mit ihren Kindern. Es wurde Schatzsuche und vieles mehr gespielt, Eistorte und Marshmallows gegessen, tausende Geschenke ausgepakt, die natürlich alle pink waren, auf dem Spielplatz getobt und die ein oder andere Träne vergossen, wenn jemand in den Fluss geplumpst ist oder einfach nur anderer Meinung war.
Es war wirklich ein schöner Geburtstag, aber für Gemma nur der Anfang, denn nächsten Sonntag findet ihre „Party“ statt, zu der sie ihre ganze Klasse und viele aus ihrer Klasse vom letzten Schuljahr eingeladen hat, die Eltern deshalb extra die Stadthalle unseres Vororts gemietet haben und das Motto „Feen“ ist, weshalb sich jeder als Fee verkleiden muss und die Dekoration und auch sonst die vorherrschenden Farben pink und rosa sein werden.
Ein Glück, dass ich da nicht dabei sein werde, Yvonne hat mir nämlich gesagt: „Stephanie, sonntags ist dein freier Tag und der James und ich, wir können auch mal hinter den Kindern herrennen...“ Geprotze und Schaulaufen wird mir also erspart (und damit meine ich hauptsächlich die Mamis, die ihre Kinder auf der Party abliefern und wieder abholen. Kleine Anekdote dazu: Ich habe letzte Woche die Mutter von einem Freund von Alex kennengelernt. Die gute Frau ist ja bestimmt ganz nett, aber zeigen kann sie das vor lauter Botox im Gesicht eben nicht (mehr).). Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
7. Februar
Wenn mein Kopf nicht angewachsen wäre...
Was dann passiert, muss ich euch ja nicht sagen, ihr kennt mich schließlich. Aber jetzt erst mal der Reihe nach:
Nachdem ich morgens wie jeden Samstag auf meine Kleinen aufgepasst habe, haben Merja, ein finnisches Aupair, Wiebke, Mareike, Michaela und ich uns in Perth getroffen, waren ein bisschen Shoppen und sind wieder einmal in den Kingspark zu einem BBQ.
An einem späten Samstagnachmittag ist es in Australien eigentlich völlig egal, wo man ist, eines ist garantiert: man ist Zeuge von Traumhochzeiten. Am Strand, am Fluss, zwischen zwei Bankentürmen, auf Yachten, ... oder eben wie heute im Kingspark. Und diese Hochzeit war eine der Extraklasse. Alle (!) Gäste wurden in Stretchlimos in den Park chauffiert, das Brautpaar selbst im Stretcholdtimer, die Brautjungfern im Stretchhummer.. Die Trauung fand dann an der Stelle des Parks statt, an der man auf ganz Perth hinabblicken kann. Ein Traum.
Nun, wir sind anschließend stilecht mit dem Bus weiter nach Northbridge, dem „Szeneviertel“ Perths, in dem sich die ganzen Clubs, Bars, Cafes, Restaurants und Backpackerunterkünfte befinden und haben uns dort für eine orientalische Shishabar entschieden.
Als ich schließlich mitten in der Nacht vor unserer Haustürstand, bemerkte ich, dass sich mein Schlüssel genau in der anderen Tasche befand und diese wiederum in meinem Zimmer. Wie es der Zufall eben so will, war meine Gastfamilie auch genau heute über Nacht weg und mein Handyakku gerade noch voll genug, um Yvonne eine SMS zu schreiben, wo sich denn der Ersatzschlüssel befände. Nun, für eine Antwort hat der Saft dann leider nicht mehr gereicht und ich hab im Gartenhäuschen, in dem zum Glück ein Bettsofa steht, übernachtet und wurde am nächsten Morgen von viel Vogelgezwitscher wach.
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Februar
I'm flying so high over the rainbow – so high
OK, den Titel habe ich vom Fabi geklaut, aber hoch hinaus ging es heute wirklich. Zwei Steffis sind über die Küste Fremantles geflogen, zwar nicht über dem Regenbogen, dafür aber unter einem.
Kurz: Wir waren parasailen !!! (und unser Fallschirm war regenbogenfarben)
In einem kleinen Speedboot ist unsere kleine Gruppe, bestehend aus zwei Guides, zwei etwas unsympatischen US-Boys und eben uns beiden, hinaus aufs Meer gefahren. Die Gurte und Schwimmwesten wurden angelegt und nach einer kleinen Unterweisung hieß es dann, der leichteste zuerst. Na toll, alles jammern nutzte nichts, ich musste als erstes hoch.
Mit wackelnden Knien bin ich zur Rampe getorkelt, wurde in den Schirm eingeklingt und schneller als ich schauen konnte, wurde das Boot unter mir immer kleiner. 100 Meter schwebte ich also über dem Meer, bei schönstem Sonnenschein, blaustem Himmel und ordentlich Wellengang, was sich bei mir oben dadurch bemerkbar machte, dass ich das Gefühl hatte, auf einer überdimensionalen Schaukel zu sitzten. Unser Guide hatte Spaß daran, das Boot immer wieder anzuhalten, wodurch ich natürlich schnell an Höhe verloren habe und sobald ich im Wasser war, gab er Vollgas und ich schnellte wie im Aufzug wieder hoch. Das war der mit Abstand beste Teil.
Durch sein beherztes eingreifen, konnte er außerdem verhindern, dass ich neben der Rampe gelandet wäre und dann ging es leider viel zu schnell wieder zurück in den Hafen.
Typisch australisch haben wir dort Fish'n'Chips gegessen und den Nachmittag am Strand verbracht.
Abends gabs dann das erste „große“ Aupairtreffen im Kingspark, dem mitten in Perth gelegenen, mit 400 Hektar und zum Großteil noch aus ursprünglichem australischen Buschland bestehenden, größten Park Perths, von dem man übrigens dem besten Bilck über die City und den Swam River hat. Wir waren sieben deutsche Mädels und endlich waren auch mal zwei dabei, die in meiner Nähe wohnen.
Unser einziges wirkliches Problem war nur, dass niemand daran dachte für unser Barbecue die nötigen Utensilien wie Grillzange, usw. mitzubringen. Dennoch wars ein netter Abend.
26. Januar
Australia Day
Heute ist Australia Day, der Nationalfeiertag Australiens. Er soll an die Landung der First Fleet in Sydney Cove am 26. Januar 1788, also die Ankunft der ersten Briten, erinnern, doch ich habe den Eindruck, dass das hier schon längst nebensächlich ist. Es wird einfach nur gefeiert: mit Konzerten, Feuerwerk, Regatten und anderen Sportevents, Barbecues und vor allem Bier. Meine Gastfamilie hat mir erzählt, dass Perth ganz vorn dabei wäre, wenn es darum geht, welche australische Stadt heute am meisten biete, so sollen zum Beispiel eine Million Menschen abends zum Feuerwerk an den Ufern des Swan Rivers stehen.
Bereits in den letzten Wochen konnte man überall Fahnen, T-shirts, Badesachen, Pappgeschirr, Mützen, … einfach alles mit australischer Flagge darauf kaufen und das nur für diesen einzigen Tag. (Bei uns wird ein solcher Aufwand höchstens zur W- und EM betrieben, die zumindest knapp einen Monat andauern...) Und dabei ist dieser Tag hier äußerst umstritten: Die Ankunft der Briten sei schließlich gleichbedeutend mit der Unterwerfung der Aboriginies, so solle man doch besser den ersten Januar und damit den Zusammenschluss der australischen Kolonien zum Commenwealth of Australia 1901 zum Nationalfeiertag ernennen. Aber das überlasse ich am besten den Aussies.
So viele Vorteile es auch bietet, wenn beide Gasteltern Ärzte sind, so hat es doch einen entscheidenden Nachteil: sie müssen auch an Feiertagen arbeiten. Immerhin hatte zumindest James ab 14 Uhr frei und wir sind mit den Kindern hinunter zum Fluss auf die Yacht von Freunden, denn um das eigene Boot zu Wasser zu lassen war es schon zu spät, die besten Anlegestellen, um abends das Feuerwerk über Perths Skyline zu sehen, waren schon vergeben.
Also haben wir die Kayaks geschnappt und los gings. James hatte Ben mit im Kayak, Alex und Gemma wurden in ein kleines Schlauchboot gesetzt und hinterhergezogen und ich war allein, aber sehr mit der Lenkung beschäftigt, wäre es doch echt teuer geworden, wenn ich eins der Boote gestreift hätte.
Als wir schließlich bei der „Summer-Villa“, wie Cathie ihr Boot liebevoll getauft hat, ankamen, waren wir 12 Kinder und acht Erwachsene an Bord, welch ein Gewusel. Die Kinder bekamen aber einfach eine Schwimmweste angezogen und spielten im Wasser und in den Beibooten. Sogar der kleine Ben plantschte mit viel Vergnügen im Rettungsring. Die Yacht war groß genug, dass Cathies fünfköpfige Familie darauf übernachten und die 12 Kinder unten DVDs schauen konnten, während wir oben gegrillt haben. Cathie hat alles passend zum Australia Day dekoriert, überall waren Flaggen aufgehängt und jeder der an Bord kam, bekam ein Australientatoo, wir tranken sogar aus Australienbechern. Es war wirklich ein schöner Tag auf und im Wasser.
Leider wollte Ben in der schaukelnden Kabine nicht einschlafen, weshalb wir noch vor den Feuerwerk den Heimweg antraten. Doch das war halb so schlimm, schließlich wohnen wir ja am Fluss und können von hier aus auch die Skyline sehen. Somit bin ich mit Gemma, Alex und James' Eltern vor zum Fluss und Ben konnte glücklich und zufrieden in seinem eigenen Bettchen schlafen. Das Feuerwerk war wirklich toll, nicht so groß wie in Sydney, dafür aber mit Musikuntermalung, die ein lokaler Radiosender passend zum Feuerwerk lieferte !!! So lief beispielsweise „Candle in the Wind“ als die Hochhäuser wie Kerzen in Flammen standen oder Coldplays „Viva La Vida“ zur Lasershow. Der absolute Wahnsinn, man wurde wirklich mitgerissen. Das Problem war später nur, die aufgekratzten Kinder nach solch einem Tag ins Bett zu bringen, doch das schafften wir auch noch.
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Januar
Ein tierisches Vergnügen –
Delfine, Pinguine und Seelöwen
Juhu !!! Seit gestern ist Lisa in hier !!! Welch glücklicher Zufall, dass sie mit ihrer Gastfamilie ausgerechnet hier bei mir in Perth Urlaub macht.
Und da heute mein freier Tag ist, habe ich Lisa auch gleich für mich ganz allein beansprucht und sie zu einer Tour zur Pinguininsel geschleppt.
Dort angekommen sind wir als erstes von der Fähre direkt in ein Speedboot umgestiegen und nachdem alle ihre superhässlichen Ponchos übergezogen haben, versprach unser Guide doch jede Menge Wind und Nässe, gings los zu den Delfinen. Wir haben einfach die Orte angesteuert, wo es die meisten Fische gibt und schon beim zweiten hatten wir Glück und haben eine kleine Gruppe Delfine gesehen. Sie kamen wirklich sehr nahe an unser Boot oder sind manchmal einfach darunter durchgeschwommen. Nur mit den Fotos hat es leider nicht geklappt, Delfine sind eben wahnsinnig schnell und meist unter Wasser. Auch an anderen futterreichen Orten waren wir erfolgreich. Wir haben sogar ein Delfinbaby gesehen und zwei, zeitweise sogar drei Delfine sind in unserer Bugwelle gesurft und immer wieder aus dem Wasser gesprungen. Ein unglaubliches Erlebnis, schließlich sind Delfine gar nicht so klein und süß, wie ich immer dachte. Nein, wenn ein Delfin aus dem Wasser springt, dann springen gut 200kg in die Luft.
Damit nicht genug. Auf Penguin Island leben die kleinsten Pinguine der Welt, mit ihren 30cm sind sie versteckt im Gebüsch nicht leicht zu finden. Zurück auf der Insel haben wir uns aber trotzdem auf die Suche gemacht und sind auch tatsächlich fündig geworden. Erst ein kleiner Pinguin und dann nochmals zwei haben uns etwas verstört angeschaut: Was soll das auch, uns so ein Ding vor den Schnabel halten, das dann auch noch blitzt !?!
Weiter gings mit dem Glasbodenboot zur nächsten Insel, Sealion Island. Wie der Name schon verrät gibt es hier Seelöwen, nur leider sind die in den letzten Jahren immer seltener geworden. Wir beiden Glückskinder haben aber ein paar der faulen, in der Sonne liegenden und sich den ganzen Tag nur vollfressenden Exemplare gesehen. Gemeint sind hier im Übrigen Seelöwenmännchen
(um fair zu bleiben, die Weibchen leben einfach nur weiter im Norden und tun wahrscheinlich das selbe...)
Damit war es dann auch leider schon wieder Zeit für den Rückweg.
Nach einem kurzen Abstecher bei mir zu Hause, gings zum Cottesloe Beach Hotel, einem Pub mit Disco direkt am Strand, wo angeblich sonntags die beste Party überhaupt stattfinden würde. Und da hatten die anderen Aupairs wirklich recht. Bereits als wir um sieben dort ankamen (in Australien ist eben alles ein bisschen früher) war die Stimmung am Siedepunkt und die Party im vollen Gange. Wir sind aber lieber als erstes zum Strand, haben ein paar nette Leute kennengelernt und Fish 'n' Chips gegessen. Dabei haben wir etwas die Zeit vergessen und nichts wars mehr mit Party, denn um zehn müssen die Pubs am Strand leider landesweit schließen.
16. Januar
Der Kings Park brennt
Heute morgen bin ich von einem ohrenbetäubenden Lärm aufgewacht und als ich so nach und nach zu mir kam, kam auch noch der Geruch nach Rauch dazu, der mir das Aufstehen leicht panisch immes erleichterte. Ein kurzer Blick aus dem Fenster genügte und ich wusste: es brennt. Überall kreisten Löschhubschrauber, die Wasser aus dem Fluss holten und eine schwarze Rauchsäule war in drei Kilometern Entfernung über dem Kings Park auszumachen.
Der Kings Park ist mit 400 ha, wovon heute leider über 40 ha verbrannt sind, der größte Park Perths. Er besteht zum Großteil aus ursprünglichem australischen Buschland, liegt direkt im Zentrum und wird von den Bewohnern Perths als die „Seele der Stadt“ bezeichnet.
Wie ich abends aus den Nachrichten erfuhr, waren seit heute früh um 6.30 Uhr 20 Löschtrupps mit über 100 Feuerwehrleuten im Einsatz, um die sieben vorsätzlich gelegten Feuer zu löschen, die zeitweise auch Wohnhäuser und die historische Brauerei, die Old Swan Brewery, bedrohten.Die heutigen Höchstteperaturen von 41,8°C machten die Löscharbeiten nicht einfacher, im Gegenteil, wenn die Löschhubschrauben das Wasser abliesen, wirkte es auf mich viel eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Gegen Abend gelang es der Feuerwehr jedoch die Feuer unter Kontrolle zu bekommen, bis morgen werden sie hoffentlich gelöscht sein.
Parallel brachen in der Umgebung noch drei andere, auch vorsätzlich gelegte Feuer aus: im 30 km entfernten Hope Valley im Süden, in den nördlichen Suburbs und im Two Rocks/ Yanchep Park, etwa 50 km von Perth entfernt. Dort sind bereits 5000 ha Bushland verbrannt, nicht zu vergessen die vielen heimischen Tiere. Der Park ist unter anderem Heimat der Westlichen Grauen Kängurus, vieler Vögel wie zum Beisiel Kakadus, Papageien, Kormorane und einer Koalakolonie, obwohl diese eigentlich hier in Westaustralien nicht heimisch sind.